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Jomolhari und viel mehr - Zwei Wochen durch Nordwest-Bhutan
Jomolhari und viel mehr - Zwei Wochen durch Nordwest-Bhutan
Einer der schönsten Treks im Himalaya
Geschrieben von OutofSaigon
25.10.2016
Standard Jomolhari und viel mehr - Zwei Wochen durch Nordwest-Bhutan

Bhutan. Ein Name, der Sehnsucht weckt. Ein ganz besonderes Land, ein ganz besonderes Königreich, irgendwie märchenhaft. Vor 30 Jahren war es noch von der Welt abgeschlossen, hatte sich eingeigelt. Längst hatte ich es einmal besuchen wollen, aber irgendwie war immer etwas im Weg gewesen. Seit über zehn Jahren steht in meinem Bücherregal „Bhutan: A Trekker´s Guide“, immer wieder studiert, aber eben auch nur das.

Teil 1 – Erste Eindrücke

Schneller Vorlauf. Oktober 2015. - TASHI DELEK las ich. Das ist der Name der Zeitschrift, die in Druk-Air-Flugzeugen ausliegt. Ich saß in einem solchen Flugzeug auf der Route von Bangkok nach Paro. Soeben hatten wir eine Zwischenlandung in Bagdogar (Indien) gemacht, und nun tauchten die Berge des Himalaya vor uns auf.


Blick auf den Jomolhari, einen der höchsten Berge Bhutans. An seinem östlichen Fuß sollten wir uns einige Tage später wiederfinden. Die westliche Flanke des Berges – im Foto links – gehört zu Tibet, die östliche Flanke zu Bhutan. Der schneebedeckte Berg rechts davon ist der Jitsu Drake.

Kurz darauf schraubte sich unser Flugzeug steil hinab ins Paro-Tal. Ich war schon früher des öfteren nach wilder Kurverei, knapp über Bergkämme hinwegfegend, auf abgelegenen Pisten gelandet; allerdings war das in kleinen Buschflugzeugen in Borneo. Daß aber ein Airbus so fliegt, das hatte ich noch nie erlebt. Schnauf! Und dann – zack! – war er gelandet.


Der Flughafen von Paro, Bhutan´s internationales Einfallstor Nummer 1. Was kaum zu glauben ist: ich sah einen Airbus von hier in BERG-Richtung (also Blickrichtung auf diesem Foto) starten

Auf dem Flughafen traf ich Michael aus London, einen meiner Partner für den avisierten Trek. Es war ein organisierter Trek, den ich mit einem englischen Veranstalter gebucht hatte. Wie ihr wahrscheinlich wißt, ist das Trekken oder gar Campen auf eigene Faust in Bhutan nicht erlaubt. Nur organisierte Gruppen dürfen trekken gehen. Und weil eben alles so schön organisiert war, wurden wir nach der Ankunft auf dem Flughafen von Paro auch abgeholt und zu unserem Hotel gebracht.

Wir verbrachten des Rest des Tages damit, durch die „Stadt“ Paro zu bummeln und einige Sehenswürdigkeiten zu besichtigen.


Blick auf die „Stadt“ Paro, die eigentlich nur ein Marktflecken ist, umgeben von Reisfeldern. Es gibt eine Hauptstraße, eine Parallelstraße dazu, ein paar Quersträßchen – und das war es eigentlich auch schon.


Straßenszene in Paro. Die Männer tragen die Nationalkleidung Bhutans.


Auch Bhutanesen konsumieren Chili in beträchtlichen Mengen.


„Chortens“ im Stadtgebiet von Paro. Die Straße führt in zwei getrennten Fahrbahnen an beiden Seiten vorbei.


Alte Brücke zum „Dzong“, der Burg von Paro.


Wanddekoration im Dzong von Paro.


Blick aus dem Dzong von Paro auf das höher gelegene Gebäude des Nationalmuseums.


Ein anderes Gebäude – ich weiß nicht mehr, was genau es war – im typisch bhutanesischen Baustil.

Wir besichtigten auch einen Tempel, von dem uns gesagt wurde, er stamme aus dem achten Jahrhundert. Mag sein, daß an dieser Stelle bereits im achten Jahrhundert ein Gebäude errichtet wurde, aber Michael und ich fanden es unvorstellbar, daß dieses Gebäude derartig alt sein sollte. Dafür sind einfach die Holz-Bestandteile zu gut erhalten. Im Inneren von Tempeln darf man leider nicht fotografieren, so daß ich davon keine Fotos habe.


Der Tempel, der angeblich aus dem achten Jahrhundert stammt, bei Paro.


Eingangstor zu besagtem Tempel.



Der Tag darauf war ebenfalls noch der Einstimmung auf Bhutan, aber auch einem gewissen „Warmlaufen“, gewidmet. Beides wurde sehr schön miteinander verbunden, indem wir eine kleine Wanderung zum „Tigernest“ machten. Der Name an sich ließ mich schon den Kopf schütteln: Tiger bauen gemeinhin keine Nester. Das „Tigernest“ ist allerdings eines der bekanntesten Klöster von Bhutan. Der Legende nach wurde Padmasmabhava, der – von Tibet kommend – den Buddhismus nach Bhutan brachte, hier von einem fliegenden Tiger abgesetzt. Unter dem Begriff „Paro Taktsang“ könnt ihr bei Wikipedia mehr darüber lesen.


Blick hinauf zum Tigernest, dem Ziel unserer ersten kleinen Wanderung. Es sieht so nah aus, aber man läuft doch deutlich über eine Stunde bis dorthin. Das liegt auch daran, daß man, wenn das Tigernest schon zum Greifen nahe ist – vielleicht 300m entfernt – doch noch einmal (ätsch!) gewaltig absteigen muß, denn vor dem letzten Anstieg ist noch die Schlucht zu durchqueren, die ihr links oben im Bild seht.


Leider habe ich kein gutes Foto vom Tigernest; denn am Morgen hat man nur Gegenlicht (die schönen Fotos, die ihr im Internet seht, sind alle im Nachmittagslicht gemacht). Im Inneren des Tigernests befinden sich auf verschiedenen verschachtelten Etagen vier kleine buddhistische Tempel, jeder nur geschätzte 40-70 Quadratmeter klein, aber alle sehr schön (Fotografieren ist leider nicht erlaubt). Eines dieser Tempelchen liegt über einem Felsspalt, in den die Pilger ihre Geldspenden werfen.


Am Nachmittag machten wir eine kurze Fahrt zum Drukyel Dzong (der Name bedeutet „Burg des siegreichen Donnerdrachens“) etwa 12km flußaufwärts von Paro. Hier endete die Straße bis vor wenigen Jahren; sie ist aber mittlerweile erheblich verlängert worden, so daß die Trekking-Route nicht mehr wie früher an diesem Dzong beginnt. Diese Burg stammt aus dem 17. Jahrhundert, wurde uns erklärt. Sie ist heute nur noch eine Ruine.


Die Ruine des Drukyel Dzong, der „Burg des siegreichen Donnerdrachens“.


Der Teil der Burg, der dem Bergfried einer mitteleuopäischen Burg entspricht (im vorhergehenden Foto links). Wie ihr seht, ist der mittlere Teil der Mauer wohl in Eile, jedenfalls in minderer Qualität, wieder aufgebaut worden, nachdem es zuvor offenbar einen erheblichen Schaden gegeben hatte (ob durch Beschuß, Erdbeben oder was sonst, das konnte unser Führer uns nicht sagen)



Dann kehrten wir wieder nach Paro zurück, um letzte Besorgungen zu tätigen. Dabei fiel mir ein kleiner Wohnblock neuerer Bauart auf.


Wohnblock in Paro. Besonders interessant: die Dekoration über der Eingangstür – siehe Detail unten rechts im Bild. - Gibt es dazu noch Fragen? ;-)



Teil 2 – Das Paro-Tal hinauf

Ab hier nun mein Bericht von unserem eigentlichen Trek. Unsere Route sollte uns an der Nordwestgrenze Bhutans entlang führen. Auf dem folgenden Satellitenbild seht ihr im Südosten die grünen Hügel Bhutans und im Nordwesten die trockenen Hochflächen Tibets. Getrennt werden sie durch den Himalaya. An dieser Grenze entlang (aber immer auf der bhutanesischen Seite) wollten wir also wandern.


Unsere Route durch Nordwest-Bhutan (die grüne Linie ist die Trekkingroute, die gelbe Linie die Anfahrt, die rote Linie die Rückfahrt)


Am Tag 3 ging es dann also endlich richtig los. Mit dem Auto machten wir eine gewisse Strecke Anfahrt talaufwärts, noch über den Drukyel Dzong hinaus. Zwischenzeitlich waren wir drei Gäste: neben Michael und mir auch noch Bettina aus Deutschland. Eigentlich hätten wir sitzen bleiben können bis zum Ende der Straße, also bis zu dem Ort Shana. Irgendwo mitten im Wald hieß unser Führer uns aber auszusteigen. Wir sollten bereits ab hier wandern, allerdings nicht einfach die Straße entlang, sondern zunächst zu einem abgelegenen Kloster weiter oben am Hang. Der Hang war steil, und unser Weg führte uns durch einen schönen Koniferenwald. Das heißt: der Wald wäre schön gewesen, wenn er nicht so vermüllt gewesen wäre: überall lagen Abfälle herum: Plastiktüten, Plastikflaschen, Aluminiumtüten von irgendwelchem Junk Food, usw. Wir waren nicht gerade angetan davon.


Aufstieg zum Kloster Hedi Gompa


Nach knapp zwei Stunden erreichten wir das Kloster. Es wohnen heutzutage allerdings keine Mönche mehr dort; nur ein Hausverwalter kümmert sich um die Erhaltung des Gebäudes. Als wir ankamen, waren auch gerade ein paar Männer von der bhutanesischen Armee dort. Wir wurden sehr freundlich begrüßt, und es wurde uns gesagt, daß wir die ersten Trekker überhaupt seien, die hier vorbei schauten. Nun ja, das mochte vielleicht nicht ganz so stimmen, aber es sind wohl wirklich nur sehr wenige. Das bedeutet natürlich auch, daß der ganze Müll im Wald nicht von ausländischen Trekkern stammt, sondern von Bhutanesen. Somit bekam das romantisch verklärte Bild, das manche in Europa vielleicht von Bhutanesen haben, gleich ein paar Kratzer.


Das Kloster Hedi Gompa. Neben Bettina und Michael unser Führer Sangay (hier noch im bhutanesischen Nationalgewand) und ein Herr von der bhutanesischen Armee


Wir wurden durch das Kloster geführt. Im Tempelraum lagern auch einige alte Bücher. Eines davon stamme aus dem 12. Jahrhundert, wurde uns gesagt, und es wurde uns auch gezeigt. Wir waren baff. In Europa würde ein solches Buch, eine unersetzliche Kostbarkeit, in einem klimatisierten Raum unter Panzerglas aufbewahrt, und daß man irgendwelche Trekker einfach darin herum blättern läßt, käme überhaupt nicht in Frage. Wir aber hatten das Privileg, jenes Buch in Augenschein nehmen zu dürfen.

Nach unserem Besuch in jenem Kloster stiegen wir dann wieder ins Tal ab, zu unserem ersten Camp in dem besagten Ort Shana. Der Ort markiert das Ende der Ackerflächen im Paro-Tal. Von hier an aufwärts findet man nur noch Wald und Weideflächen.



Der kleine Ort Shana, Ausgangspunkt für den Trek.


Am Spätnachmittag machten Michael und ich noch einen kleinen Marsch entlang der für den kommenden Tag vorgesehenen Route. Dieser Marsch diente erstens dem Aufwärmen der auskühlenden Beine und zweitens der Erkundung: nach allem Informationen, die wir hatten, sollte das kommende Wegstück sehr matschig und unangenehm sein. Dieses konnten wir zum Glück falsifizieren: der Weg war trocken und angenehm zu begehen. Nach einer Stunde waren wir wieder zurück im Camp, genau rechtzeitig zum Abendessen (da dies ein organisierter Trek war, hatten wir ja einen Koch sowie sonstige Begleitmannschaft).

Am kommenden Morgen – es war schon der vierte Tag unseres Aufenthalts in Bhutan – wurde es dann richtig ernst; denn es begann der ziemlich lange und anstrengende Anstieg das Paro-Tal hinauf. Zunächst ging es eine Weile durch einen Eichenwald; an den Bäumen, die an sich schon herrlich anzusehen waren, wuchsen Farne, deren Blätter im Morgenlicht wunderschön leuchteten.


Eichenwald im Paro-Tal


An dem tosenden Fluß entlang zu wandern, war ein grandioser Eindruck.


Mit gewaltigem Gefälle rauscht hier der Fluß das Paro-Tal hinunter


Dann erreichten wir zu unserer ersten Rast ein Haus, von dem uns gesagt wurde, es sei eine kleine Brauerei


Rast an einer kleinen Brauerei


Oberhalb dieser Brauerei war das Gefälle des Flusses deutlich flacher; in dem unteren, steileren Teil des Tales steht offenbar ein härteres Gestein an.


Der weitere Weg das Paro-Tal hinauf


Im Paro-Tal waren gerade Arbeiten im Gange, eine Stromleitung zu den weit oberhalb gelegenen Dörfern zu installieren. Zu diesem Zweck schleppten Träger zahlreiche leicht konisch geformte Rohr-Elemente aus verzinktem Blech das Tal hinauf. Diese Elemente werden dann vor Ort zu Strom-Masten zusammengeschraubt.


Träger schleppen die Elemente für die Masten einer neuen Elektrizitäts-Leitung über eine Brücke im Paro-Tal


So erreichten wir am späten Nachmittag unser zweites Camp, Soi Thangthanka genannt, auf rund 3500m Höhe. Unser Zeitplan sah eigentlich vor, daß wir hier einen Rasttag einlegen sollten, von wegen Akklimatisation und so. Bettina, Michael und ich fühlten uns aber alle fit (hatten auch alle ausreichend Erfahrung mit großen Höhen) und beschlossen also, diesen Rasttag auszulassen und den Extra-Trag für später aufzusparen. Im Rückblick erwies sich das als eine gute Idee. In der Nacht regnete es leicht, und das Rauschen des Regens machte unseren Schlaf noch erholsamer, als er es sowieso gewesen wäre.

Am Tag darauf setzten wir unseren Aufstieg fort.


Weiterer Aufstieg das Paro-Tal hinauf




Haus im oberen Paro-Tal




Karawanen aus Ponies und Maultieren sind im Paro-Tal das Transportmittel der Wahl


Den Eichenwald hatten wir längst hinter uns gelassen. In diesen Höhen wachsen nur noch Nadelbäume.


Einige Baumbestände im oberen Paro-Tal erinnern stark an unsere mitteleuropäischen Lärchenwälder ...




... andere bestehen mehr aus knorrigen, kiefernähnlichen Bäumen


Natürlich ist die Besiedelung dieses Talabschnitts äußerst spärlich, und nur hin und wieder kommt man an einem Haus oder ganz kleinen Weiler vorbei.


Ein Haus im oberen Paro-Tal


Es war wiederum bereits später Nachmittag, als wir die Ausläufer des Dorfes Jangothang erreichten. Hier gibt es auch eine kleine Schule.


Die Schule von Jangothang (die erste Schule, die wir seit unserem Abmarsch von Shana am vorigen Tag sahen)


Das Wetter wurde rasch trüb und trüber, und kurz bevor wir das Camp Jangothang erreichten, fing es an zu regnen. Unser Führer Sangay und ich rannten also den letzten halben Kilometer zum Camp, aber Michael und Bettina entschieden sich, lieber ihre Regenkleidung anzuziehen. Kaum waren wir alle dort, wurde es auch schon dämmerig.


Trübes Wetter bei der Ankunft im Jangothang-Camp




Das Camp von Jangothang. Die Ruine eines alten Dzong steht beinahe gespenstisch im Nebel und Regen der Abenddämmerung


Später am Abend schneite es sogar. Der „Aufseher“ des Camps sagte uns, er habe im Radio gehört, daß eine Zyklone über der Bucht von Bengal dieses Wetter verursache. Naja, was auch immer ... Jedenfalls war es der 11. Oktober 2015, und wir erinnerten uns daran, daß vor fast genau einem Jahr ein gewaltiger Schneesturm im Annapurna-Gebiet in Nepal so viele Opfer gefordert hatte (von jenem Ereignis handelt ein anderer Beitrag in diesem Forum).


Am kommenden Morgen waren unsere Zelte steif gefroren. Dafür aber begrüßte uns strahlender Sonnenschein, der die frisch überzuckerten Berghänge natürlich wunderbar aussehen ließ.


Strahlender Morgen im Jangothang-Camp


Hinter der Ruine des alten Dzong sahen wir nun auf einmal, gleißend im Licht der Morgensonne, die Ostflanke des Jomolhari. Das Jangothang-Camp wird ja auch Jomolhari Base Camp genannt.


Die Ostflanke des Jomolhari. Diese Ausblicke waren es, weswegen wir hierher gekommen waren




Der „Aufseher“ des Jomolhari Base Camp, bei diesem herrlichen Wetter offenbar gut gelaunt


Unser Zeitplan sah vor, daß wir auch hier in Jangothang einen Rasttag einlegen sollten, wobei „Rasttag“ bedeutet, daß wir zwei Nächte im gleichen Camp schlafen sollten. Den Tag selbst sollten wir aber durchaus mit einer kleinen Halbtags-Wanderung verbringen. Das taten wir auch. Schließlich waren wir nun schon auf knapp über 4000m Höhe, und da ist ein wenig Akklimatisation ja keine schlechte Idee. Im folgenden also ein paar Fotos von besagter Halbtags-Wanderung.


Blick in den obersten Abschnitt des Paro-Tals. Unsere Halbtags-Wanderung führte den Hang hinauf, den ihr links im Bild seht. Der weitere Trek, zu den hohen Pässen, von denen noch die Rede sein wird, führte dann in das „hängende Tal“ rechts im Bild




Blau grüßt der Enzian auch hier in Bhutan. Allerdings scheint Enzian-Schnaps in Bhutan völlig unbekannt zu sein




Auch andere kleine Blumen sahen wir in großer Zahl. Eigentlich erstaunlich, daß in solcher Höhe – rund 4500m – eine solche Farbenpracht anzutreffen ist




Beim Wieder-Abstieg stach mir dann dieser Felsen ins Auge. Erinnert er, mit dem spiralförmigen Zugang im Uhrzeigersinn, nicht irgendwie an eine mittelalterliche Burg?



Wie geplant, verbrachten wir eine zweite Nacht im Jomolhari Base Camp alias Jangothang Camp, und damit war der Trek das Paro-Tal hinauf eigentlich abgeschlossen.



Teil 3 – Über die hohen Pässe

Beginnend vom Jangothang Camp alias Jomolhari Base Camp führten uns die nächsten fünf Trekking-Tage über vier hohe Pässe (alle zwischen 4400m und 5000m) bis letztlich zum Limithang Camp am Fuße des Tiger Mountain. Aber der Reihe nach:

Wir verließen das Jangothang Camp in zunächst nördlicher Richtung und passierten dabei die verstreuten Häuser des Dorfes Jangothang. Hier gab es wenigstens einmal ein paar Menschen zu sehen.



Eines der weit verstreuten Häuser des Dorfes Jangothang; im Hintergrund der Jitsu Drake



Kinder auf dem Weg zur Schule in Jangothang



Dorfkinder in Jangothang



Bäuerliche Szene in Jangothang



Dann begann der ziemlich steile Aufstieg in das Nebental, das ich euch in einem der Fotos weiter oben schon gezeigt hatte. Jenes Nebental führt letztendlich zu dem ersten Pass, den wir zu überqueren hatten: dem Nyile-La (4890m).



Blick zurück auf den Jitsu Drake; im Bildmittelgrund eine Endmoräne, hinter der (im Foto nicht erkennbar) zwei Gletscherseen liegen. Wenn diese einmal ausbrechen – was ja nur eine Frage der Zeit ist – dann wird im gesamten Paro-Tal der Bär los sein; man möchte gar nicht daran denken



Der weitere Aufstieg in Richtung Nyile-La führte uns durch dieses wunderbare Hochtal, eine wahre Bilderbuchlandschaft



Durch eine immer kärglicher werdende Vegetation näherten wir uns dem Pass – ihr könnt ihn links im Hintergrund erahnen



Und hier haben wir nun die Passhöhe erreicht und schauen nach Norden in Richtung Lingshi, unserem heutigen Tagesziel



Es folgte ein langer Abstieg nach Norden. Der erste Teil davon war insgesamt eher langweilig und führte uns durch nur sehr spärliche Vegetation.



Die Begegnung mit einer Maultier-Karawane brachte ein wenig Abwechslung in den recht langen und langweiligen Abstieg von Nyile-La in Richtung Lingshi. Dies war auch eine der sehr wenigen Gelegenheiten, bei der wir jemanden auf einem Lasttier reiten sahen



Der zweite Teil dieses Abstiegs verlief allerdings durch einen sehr schön herbstlich verfärbten Wald.



Durch einen schönen, herbstlich verfärbten Wald stiegen wir das letzte Stück hinunter zum Lingshi Camp, dem Tagesziel


Während des ganzen langen Abstiegs erwarteten wir dauernd, von unseren Packpferden nebst Begleitmannschaft überholt zu werden, so wie es auch in den vorangegangenen Trekking-Tagen immer gewesen war. Sie kamen und kamen aber nicht, selbst als wir das Lingshi Camp schon erreicht hatten. So nahmen wir erst einmal Zuflucht im Eßzelt einer anderen Wandergruppe, die uns freundlicherweise mit Tee und Plätzchen versorgte. Erst als bereits fast die Dunkelheit hereinbrach, kam auch unsere Karawane. Wir fragten nicht lange, sondern ließen unsere Leute erst einmal, so schnell es nur ging, die Zelte aufstellen und das Abendessen vorbereiten. Erst später am Abend fragten wir sie: „Ja, sagt einmal: wo wart ihr denn so lange? Und wo ist denn überhaupt unser Koch?“ – Da wurde uns folgendes erzählt: der Koch habe am vorhergehenden Abend eine Menge Whisky getrunken, sich richtig vollgesoffen; am Morgen habe er dann einen fürchterlichen Kater gehabt, mit Kopfschmerzen und was sonst noch dazu gehört; so sei er am Aufstieg zum Nyile-La eben schrecklich langsam gewesen; wieder und wieder hätten die anderen drei mit den Pferden auf ihn gewartet, aber er habe einfach nicht schneller gehen können; schließlich habe er überhaupt kaum noch gehen können und über starke Kopfschmerzen geklagt, und so hätte die Truppe einfach nicht voran kommen können; daher hätten sie letztendlich gemeinsam beschlossen, den Koch zum Umkehren aufzufordern und gezwungenermaßen eben ohne ihn weiter zu gehen, denn sie konnten uns, ihre Gäste, ja nicht ewig warten lassen. – Ob das wirklich so stimmte oder ob es nur eine Ausrede war für irgendeinen anderen Konflikt, das konnten wir natürlich nicht verifizieren, aber es war ja eigentlich auch egal. Zum Glück war einer der drei, die als Helfer angeheuert worden waren, eigentlich gelernter Koch, und so war unsere Verpflegung für den Rest des Treks gesichert. Es ging uns also eigentlich nichts ab, den Kopf geschüttelt haben wir aber dennoch...


Der kommende Morgen begrüßte uns wieder einmal mit Sonnenschein und blauem Himmel (der Nachmittag des Vortags war hingegen wieder einmal bedeckt und grau gewesen).



Blauer Himmel, klare Luft, Sonnenschein und herrliche Aussicht auf die Berge in der Umgebung des Lingshi Camps



Eine Yakherde im Lingshi Camp. Alle diese Camps sind ja nur Wiesenstücke, in keiner Weise klar abgegrenzt, geschweige denn eingezäunt. So treiben sich eben Pferde, Maultiere, Yaks usw. auch zwischen den Zelten herum und hinterlassen dort jede Menge Pferdeäpfel und Yakdung. Wenn man also in so einem Camp herumläuft (vor allem in der Dunkelheit), schaut man besser genau, wo man hin tritt



Das Lingshi Camp erreicht man eigentlich bereits eine Stunde vor dem Ort Lingshi selbst, hat also am kommenden Morgen noch rund eine Stunde zu gehen, bevor man das Dorf erreicht.



Auf dem Weg zum Dorf Lingshi passierten wir diesen Chorten; dahinter – auf der Hügelkuppe – der Lingshi Dzong, also eine Burg, die in früheren Zeiten räuberische Einfälle aus Tibet verhindern sollte. Der Dzong war zur Zeit unseres Treks allerdings in stark beschädigtem Zustand und nur notdürftig mit Wellblech gedeckt, die Folge eines Erdbeben-Schadens aus dem Jahr 2011, wie uns erklärt wurde



Detail von dem Chorten im vorhergehenden Foto: eine Buddha-Figur als Bas-Relief; so etwas hatte vorher noch nicht gesehen; ich kannte Buddha-Darstellungen eigentlich nur als voll dreidimensionale Figuren oder als Gemälde



Blick von Lingshi – im Vordergrund das Schulgebäude – zurück in das Tal, das wir am Vortag vom Nyile-La herabgekommen waren



Beim Weitergehen passierten wir noch einmal einen Chorten und hatten einen schönen Blick zurück auf den Lingshi Dzong



Im weiteren Verlauf führte der Weg keineswegs unten am Fluß sondern im Gegenteil hoch an der Bergflanke entlang, was uns natürlich wunderbare Aussichten ermöglichte. Alles andere als wunderbar fand ich allerdings, daß am Wegesrand unheimliche Mengen von Müll lagen: Plastikflaschen, Getränkedosen, Plastiktüten, Aluminium-Tüten von irgendwelchem Junk Food, usw. Alle fünf bis acht Meter lag so ein Objekt im Gras – grauenhaft. Ich schaute mir die Dinger an: alle hatten chinesische Aufschriften, waren also offenbar aus Tibet importiert worden. Das bedeutet natürlich wiederum, daß mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht irgendwelche Trekker diese ekelhafte Vermüllung verursacht hatten, sondern Bhutanesen. Fast noch nie hatte ich einen derart vermüllten Weg gesehen. Sehr bedauerlich!



Hoch am Talhang entlang, weit über dem Fluß, führte uns der Weg von Lingshi nach Goyok



Hagebutten und Herbstfarben am Weg von Lingshi nach Goyok



So erreichten wir das kleine Dorf Goyok.



Die Häuser des Dorfes Goyok vermitteln fast den Eindruck, hier sei die Zeit stehen geblieben



Auch in Goyok gibt es allerdings Fortschritt: hier ein stolzer Hausbesitzer vor seinem soeben fertig gestellten neuen Haus. Die vielen Kiefernwälder in dieser Gegend sind eine mehr als ausreichende Quelle von Bauholz, und daran hat der Herr ja auch nicht gespart, wie ihr seht



Noch einmal ein Haus in Goyok; rechts im Hintergrund ein Chorten



In Goyok passierte auch etwas, woran ich noch sehr lange denken werde: von meinem Stiefel löste sich plötzlich die Sohle. Es war ein durchaus teurer Trekkingstiefel von einem deutschen Hersteller, der mit Eigenlob nicht kleinlich ist, und der Stiefel war gerade einmal etwas über zwei Jahre alt. Unglaublich! Unmöglich! Einzelheiten gehören wohl nicht hierher (sondern eher in das Unterforum „Ausrüstung“). Unsere Pferdekarawane hatte uns da schon überholt, ich konnte meine Schuhe also nicht mehr wechseln, und so blieb mir nichts anderes übrig als mich hatschend-hinkend zum Tagesziel zu schleppen, in das zum Glück nicht mehr allzu weit entfernt gelegene Dorf Chebisa.

Wir erreichten Chebisa am späten Nachmittag, und es war an jenem Tag auch weniger bedeckt und trüb als sonst, sogar noch ein wenig sonnig.



Ankunft im Dorf Chebisa. Als ich das sah, dachte ich mir: eine Postkarte mit diesem Panorama könnte wohl auch den Titel „Gruß aus Grindelwald“ tragen



Ein Maultier und ein Yak zwischen den Häusern von Chebisa; ihr alle seht die Wellblechdächer, und wer genau hinschaut, der sieht auch das Solar-Paneel auf einem der Häuser



Ein durchaus stattliches und schön dekoriertes Haus in Chebisa



Im Ort, gerade neben dem Zeltplatz, steht eine große Gebetsmühle; sie hat neben der religiösen offensichtlich auch eine soziale Funktion: hier sitzen die Dorfbewohner zum gemeinsamen Schwätzchen



In Chebisa versuchte unser Führer, meine Stiefel irgendwie zu kleben. Das schien auf den ersten Blick auch erfolgreich zu sein. So marschierten wir denn weiter. Das nächste Tagesziel war das Somuthang Camp; auf dem Weg dorthin war wieder einmal ein Paß zu bezwingen; der Gombu-La. Er ist „nur” 4400m hoch und war damit der niedrigste der vier Pässe auf unserer Trekkingroute.




Blick zurück nach Süden (also der Richtung, aus der wir gekommen waren), während unseres Aufstiegs von Chebisa zum Gombu-La. Das wirkt alles so ursprünglich, aber wenn ihr genau hinschaut, dann seht ihr links im Bild auf dem Bergrücken einen Sendemasten für Mobiltelefonie


Dann hatten wir den Gombu-La erreicht. Ihr seht den Weg, der ins Tal hinab führt zum nächsten Camp, Somuthang. Was ihr auf dem Foto nicht seht, ist der Müll auf dem Abhang zu Füßen meiner Wenigkeit



Der Abstieg vom Gombu-La führte dann erst durch Rhododendron-Gebüsch, später durch einen Wald, der uns wunderschöne Herbstfarben bot, wie folgenden Fotos zeigen.







Durch diesen Wald in wunderschönen Herbstfarben führte uns der Trek vom Dorf Chebisa zum Somuthang Camp



Schon auf dem Weg zum Somuthang Camp merkte ich, daß mein Stiefel wieder auseinander fiel. Mit einem Stück Schnur konnte ich die Sohle vorübergehend so weit fixieren, daß ich wenigstens noch bis ins Camp kam. Dort war alllerdings endgültig Schluß, und ich mußte den gesamten Rest des Treks in Halbschuhen absolvieren. Davor graute mir zwar zunächst, es stellte sich aber im Verlauf der folgenden Tage heraus, daß dies gar nicht so schlecht ging.

Im Camp bemerkte ich, daß dort eine andere abgelöste Stiefelsohle auf dem Boden herum lag. Welche Ironie! Auf der Sohle stand der Name einer bekannten Schweizer Firma. Wie alt der Stiefel gewesen war, von dem diese Sohle sich gelöst hatte, konnte ich natürlich nicht mehr feststellen; ich hoffte aber im Interesse seines seinerzeitigen Besitzers, daß es etwas mehr gewesen war als die lächerlichen zwei Jahre, die mein eigener Stiefel gehalten hatte.


Dann aber „Neuer Tag, neues Glück“

Der folgende Morgen im Somuthang Camp begrüßte uns mit dieser spätherbstlichen Stimmung



Auf dem Trek vom Somuthang Camp hinauf in Richtung des nächsten Passes (des Jhare-La) sahen wir diese Edelweiß; wir hatten auch schon einige Male vorher welche gesehen



Wir blickten noch einmal zurück auf die Route des Vortags; links oben auf diesem Bild seht ihr den Paß (Gombu-La), über den wir am voraus gegangenen Nachmittag gekommen waren, sowie die Abstiegsroute zum Somuthang Camp, das in dem Tal zwischen diesen beiden Bergrücken liegt



Hier überschreiten wir den Jhare-La (4780m) auf dem Weg zum Rombulathang Camp. Dies war der dritte und vorletzte Paß auf unserem Trek



Ein besonders schönes Stück Gneis, das ich auf dem Abstieg vom Jhare-La erblickte. Kurz nachdem ich dieses Foto gemacht hatte, bekam unsere Trekking-Gruppe eine ganz besondere Gesellschaft



Wir stiegen vom Jhare-La in Richtung des nächsten Camps ab, und ich dachte an nichts Besonderes, als ich plötzlich das Gefühl hatte, jemand folgt mir. Ich drehte mich um und sah, daß es ein Hund war, ein großer und kräftiger Hirtenhund mit dickem, fast gänzlich schwarzen Fell. Wo der auf einmal herkam, war mir nicht klar, und ich dachte, er würde sowieso bald wieder seiner eigenen Wege gehen. Die kommenden Stunden und Tage belehrten mich bzw. uns aber eines Besseren.

Nachdem wir den Abstieg ins Tal geschafft hatten, war ein Fluß zu überqueren, um das nächste Camp (Robulathang) zu erreichen. Nur gab es leider keinerlei Brücke oder Steg. Wir suchten uns also eine flache Stelle und wateten ohne Stiefel und Socken durch. Der Hund bzw. die Hündin (eine solche war es nämlich) lag im Gras und schaute uns geduldig zu, anscheinend denkend „die spinnen, die Römer“. Ich erwartete, daß uns die Hündin hier die Freundschaft kündigen und ihrer Wege gehen würde, aber damit lag ich falsch. Als wir nämlich erkennbar zielstrebig vom anderen Flußufer weiter marschierten, sprang auch die Hündin ins kalte Wasser und folgte uns.

Vom Talboden war es dann anschließend ein recht signifikanter Anstieg auf eine Hangschulter, wo das nächste Camp für uns errichtet wurde.


Wieder einmal begrüßte uns der Morgen des folgenden Tages mit relativ schönem Wetter und den fantastischen Bergpanoramen, die wir uns vorgestellt und gewünscht hatten. Zu den folgenden Bildern muß ich wohl nichts weiter sagen










Vom Robulathang Camp hatten wir einen langen Anstieg hinauf zum Shinye-La, dem höchsten Punkt unseres gesamten Treks (5000m). Es war der neunte Tag unseres Treks.



Blick zurück ins Tal während des Aufstiegs zum Shinye-La. Auf der kleinen hellen Fläche knapp rechts der Bildmitte war unser Robulathang Camp gewesen; etwas rechts unterhalb davon seht ihr die Unterkünfte einiger Yakhirten



Auf diesem Wegabschnitt sahen wir auf einmal ein schwarzes Zelt, wie wir es auf unserem bisherigen Trek noch nicht gesehen hatten. Unser Führer erklärte uns, daß wir nun in das Gebiet der Volksgruppe der Layap gekommen seien, und nur die Layap haben die Tradition, solche Zelte zu errichten. Aha ...



Auf dem Gegenhang weidete eine Herde von Blauschafen. Solche Herden, größer oder kleiner, hatten wir schon einige Male vorher gesehen (sie waren aber immer zu weit weg gewesen für ein Foto). Warum diese Tiere „Blauschafe“ heißen, verstehe ich ehrlich gesagt nicht recht; ich sehe hier nichts Blaues, ich sehe nur grau oder grau-braun, aber vielleicht ist einer von euch schlauer als ich



Endlich, nach mehrstündigem Aufstieg, hatten wir den Shinye-La erreicht; es war der vierte und höchste Paß unseres gesamten Treks.
Wie heißt es so schön im Lied? „Handschlag, ein Lächeln, Mühen vergessen...“
Dann ging es logischerweise wieder bergab



Yaks und Pferde bzw. Maultiere auf dem Abstieg vom Shinye-La zum Limithang Camp



Auf dem Abstieg sah ich plötzlich ein kleines Tier ins Gebüsch flitzen, aber nur ganz kurz: in Sekundenbruchteilen war es verschwunden. Ich sagte zu Michael „Ich mache jetzt einmal eine kleine Drückjagd - halt dein Fernglas bereit!“. Dann umging ich das Gebüsch, wo ich das Tier zuletzt gesehen hatte, und näherte mich anschließend Michael wieder von der anderen Seite. So erreichte ich auch meine Absicht: das Tier kam wieder zum Vorschein. Mit unseren Ferngläsern konnten wir dann ausmachen, daß es ein hellbraunes Wiesel war, das soeben eine Maus gefangen hatte und mit dieser im Maul nun davon rannte (natürlich viel zu weit weg für ein Foto). Nicht lange vorher hatten wir noch übereinstimmend festgestellt, daß wir außer Blauschafen und einigen Vögeln eigentlich keine nicht-domestizierten Tiere gesehen hatten; insofern empfanden wir die Beobachtung des Wiesels als eine ausgesprochene Bereicherung unseres Treks.

Und noch eine weitere Beobachtung machten wir während des folgenden Abstiegs: im Tal unter uns sahen wir einen Hang, der bis zur einer bestimmten Höhe, scharf nach oben abgegrenzt, fast vegetationslos war. Eine Erklärung dafür hatten wir zunächst nicht. Erst später erzählte uns unser Führer, dort sei ein See gewesen, der erst kürzlich, im Mai 2015, die ihn sperrende Moräne durchbrochen hatte. Das war also wohl ein echter „glacial lake outburst“ gewesen, und wir sollten seine Spuren am folgenden Tag noch deutlich sehen.




Abstieg vom Shinye-La zum Limithang Camp. Im Hintergrund seht ihr die Spuren des vor kurzem ausgebrochenen Gletschersees: einen nach oben hin ganz scharf abgegrenzten, weitgehend vegetationslosen Hangabschnitt



Schließlich erreichten wir das Limithang Camp, und dieses markierte das Ende unseres Treks über die hohen Pässe. Von diesem Camp an führte unsere Route im großen und ganzen wieder abwärts, zum Endpunkt des Treks in Gasa.





Dieses Foto von Michael soll noch einmal abschließend und zusammenfassend den Charakter unseres Treks über die hohen Pässe symbolisieren. Es war einfach grandios gewesen, der wohl beeindruckendste Trek meines bisherigen Lebens




Teil 4 – Abwärts, im Großen und Ganzen

Morgens im Limithang Camp bot sich uns ein atemberaubender Blick auf den Tiger Mountain.



Blick vom Limithang Camp auf den Tiger Mountain, dessen Gipfelgrat auch gleichzeitig die Grenze zwischen Butan und Tibet markiert


Mit dem Shinye La hatten wir nun den letzten der vier hohen Pässe hinter uns gebracht, und nun ging es also für einige Tage wieder abwärts. Dies jedenfalls im Großen und Ganzen; denn weiter unten mußten wir noch einmal einen erheblichen Aufstieg bewältigen: hinauf zum Bale-La. Davon wird später noch im einzelnen die Rede sein.

Als erstes mußten wir den Fluß überqueren. Dies taten wir unter Benutzung eines provisorischen Steges, denn die einstmals vorhandene Brücke war weggespült worden (nach Auskunft unseres Führers im Mai 2015 als Folge des Ausbruchs des Gletschersees, von dem ich am Ende des Teils 3 bereits sprach.

Vom Limithang Camp marschierten wir einen ganzen Tag lang, bevor wir das Dorf Laya erreichten. Dieser Marsch verlief eigentlich relativ ereignislos, und so will ich hier nicht viele Worte darüber verlieren. Es war aber ein schöner Tag, sonnig bis zum Abend, und er führte uns durch eine wunderbare, herbstliche, alpine Szenerie. Davon sollen die folgenden Bilder eine Vorstellung vermitteln.





Ausblicke während des Abstiegs vom Limithang Camp in Richtung Laya



Ein Uferabbruch, der meines Erachtens sehr jung sein muß und auf den Ausbruch des Gletschersees zurück zu führen ist






Wären da nicht die Yaks, könnte man glauben, man sei in den Alpen


Diese gewaltigen Schotterbänke sahen mir sehr jung aus (noch keinerlei Bewuchs darauf), und ich bringe sie ebenfalls mit dem Ausbruch des Gletschersees in Zusammenhang



Kurz vor dem Dorf Laya begegnete uns diese Frau. Ihr Kopfputz ist typisch für die Volksgruppe der Layap (das hatte Dominik in einem seiner Kommentare unten schon richtig angemerkt)


So erreichten wir schließlich das Dorf Laya. Es ist bei weitem das größte Dorf, durch das man auf dieser Trekkingroute kommt, und liegt rund 3700m hoch

In Laya machten wir einen ganzen Tag Rast. Wie ich in Teil 2 bereits schrieb, waren wir unserem Zeitplan um einen ganzen Tag voraus, denn den Rasttag, der eigentlich beim Aufstieg durch das Paro-Tal vorgesehen war, hatten wir ja ausgelassen. Dieser Rasttag in Laya war auch sehr willkommen, denn die vorauf gegangenen Tage waren doch etwas ermüdend gewesen. Weiterhin war die Hündin unsere treue Begleiterin (von ihr hatte ich ja schon in Teil 3 erzählt).



Blick aus einem Haus in Laya auf die umliegenden Berge


Am Abend boten uns einige Frauen von Laya eine „Cultural Show“. Zwar waren wir darauf nicht besonders wild, aber wir wollten den Frauen den kleinen Zuverdienst gönnen, und so willigten wir ein. Die Show bestand eigentlich nur darin, daß sie leicht tanzend im Kreis herumgingen und dabei sangen. Dabei wendeten sie sich einander zu und kehrten demzufolge logischerweise den Zuschauern den Rücken zu. Das war natürlich nicht sehr professionell, aber das macht ja nichts. Es war eben alles noch sehr bodenständig. So zeigt das einzige einigermaßen vernünftige Foto, das ich von dieser „Veranstaltung“ habe, die Frauen beim Teetrinken nach der Darbietung.



Frauen in Laya beim Teetrinken nach einer Tanzdarbietung


Am folgenden Tag verließen wir Laya wieder, um die letzten zwei Tage unseres Treks zu beginnen. Dabei sollte uns dieser vorletzte Tag zu einem Camp unterhalb des Bale-La führen.



Blick zurück auf Laya beim Abmarsch in Richtung Bale-La


An so einem Aussichtspunkt würde der Alpenverein garantiert eine Ruhebank aufstellen, wenn wir denn in den Alpen wären...


Den ganzen Vormittag marschierten wir ohne besondere Vorkommnisse durch eine schöne Landschaft talabwärts.



Auf dem Marsch talabwärts von Laya in Richtung Bale-La


Eine Besonderheit gab es aber doch: wegen einer Art von Gastritis, die mir erhebliche Bauchschmerzen bereitete und dadurch selbstredend die Bewegung meiner Beine stark behinderte, hatte ich mir ein Pony gemietet, um mindestens zeitweise darauf reiten zu können. Einerseits entlastete mich das, andererseits machte es mir auch Freude, ein wenig zu reiten (ich reite eigentlich sehr gerne, bevorzugt nicht nur auf irgendeinem bescheuerten Sandplatz im Kreise herum, sondern durch die freie Natur; dazu hatte ich seit Jahren keine Gelegenheit mehr gehabt). Bettina sagte später, sie bewunderte mich dafür, auf diesem Pony durch so anspruchsvolles Terrain zu reiten; und in der Tat passierten wir mitunter sehr steile Abhänge, fast müßte man „Abgründe“ dazu sagen. Ein normales deutsches Reitpferd hatte da wahrscheinlich Angst bekommen und wer-weiß-wie reagiert, aber die bhutanesischen Ponies sind so etwas ja gewohnt. Ich merkte dem Pony an, daß es eigentlich ein Lasttier und mit einem Reiter nicht vertraut war: es reagierte zunächst etwas nervös auf meine bewußten Gewichtsverlagerungen, wenn es steil aufwärts oder abwärts ging. Das war ihm natürlich ungewohnt. Es war aber offensichtlich ein intelligentes Tier und merkte rasch, daß ihm diese Gewichtsverlagerungen letztendlich hilfreich waren. So gewöhnten wir uns relativ schnell und gut aneinander.

Um die Mittagszeit erreichten wir wiederum ein Armee-Camp, in dem unsere Papiere geprüft wurden. In diesem Camp gab es auch ein halbes Dutzend anderer Hunde, und diese zeigten sich ausgesprochen aggressiv gegenüber der Hündin, die uns mehrere Tage lang so treu begleitet hatte. Sie vertrieben die Hündin, die daraufhin in Richtung Laya zurück rannte. Wir haben sie danach nicht mehr gesehen, und wir vermißten sie auch irgendwie.

Im weiteren Verlauf führte unsere Route über die Schotterbänke am Fluß entlang. Unser Führer erzählte, daß diese Schotterbänke erst seit kurzer Zeit vorhanden und begehbar seien; vorher hätte man – in Ermangelung eines anderen Weges – einen großen und Zeit raubenden Umweg über die Hügel machen müssen.





Wir marschierten am Fluß entlang talabwärts zu unserem nächsten Camp


Letzten Endes verließen wir aber doch das Flußtal und stiegen noch ein allerletztes Mal in die Berge hinauf. Anscheinend ist ein bestimmter Abschnitt des Tals eine solch enge und weglose Schlucht, daß nur die Ausweichroute über die Berge möglich ist. Es war schon später Nachmittag, und diese Etappe war erheblich länger, als uns vorher mitgeteilt worden war. So erreichten wir erst nach Einbruch der Dunkelheit unser Camp, das 3700m hoch gelegen war. Dies ist dieselbe Höhe wie das Dorf Laya; wir waren also am Nachmittag genauso viel wieder aufgestiegen wie wir am Vormittag abgestiegen waren (und aus diesem Grund sagte ich von diesem Abschnitt auch, daß es „im Großen und Ganzen“ abwärts ginge.

Dann begann der letzte Tag unseres Treks. Zunächst war es vom Camp aus noch eine Stunde Aufstieg zum Bale La.





Aufstieg durch den Bergwald in Richtung Bale-La


Dann erreichten wir diese letzte Paßhöhe unseres Treks und sahen ein letztes Mal die Gebetsfahnen, die für bhutanesische Paßhöhen so typisch sind


Vom Bale La ging es dann aber wirklich nur noch abwärts, ohne Gegenanstiege.





Bergszenerie auf dem Abstieg nach Gasa. Die Felsnadeln in einigen Bereichen würden den Dolomiten alle Ehre machen


Schließlich kamen wir nach Gasa. Auch dies ist ein relativ großer Ort, seit kurzer Zeit sogar mit Straßenanbindung, so daß die Trekkingroute nun hier endet. Den letzten Teil des Abstiegs nach Gasa legten wir auf einer noch im Bau befindlichen Straße zurück; es ist also wohl vorgesehen, daß diese Straße bis nach Laya ausgebaut werden soll. In Gasa gibt es einen beeindruckend großen Dzong, den ich auch als sehr passenden Schlußpunkt unseres Treks empfand.








Teil 5 – Ausklang und Rückblick


In älteren Beschreibungen dieses Treks lest ihr, daß man von Gasa noch eine ganze Weile laufen muß, bis man die Straße erreicht. Das ist inzwischen nicht mehr so. Wir bestiegen wir das Auto, das uns nach Thimphu brachte, direkt an unserem letzten Camp. Dann ging die Fahrt talabwärts, was sich ziemlich lange hinzog. Dennoch boten sich immer wieder interessante Ausblicke, mindestens auf typisch bhutanesische Häuser und Dörfer bzw. Weiler sowie die umgebenden Reisfelder.





Auf der Fahrt von Gasa nach Thimphu


Am frühen Nachmittag erreichten wir Punakha, eine der wichtigsten Städte des Landes und von historischer Bedeutung. Hier befindet sich der Palast, den das Königshaus als das Zentrum seiner Existenz betrachtet. Es ist in der Tat ein sehr eindrucksvolles Bauwerk.



Der Königspalast von Punakha


Wer sich dafür interessiert, sieht auch auf der Landkarte, warum Punakha so eine strategische Bedeutung hatte bzw. hat: hier vereinigen sich zwei große Flüsse mit ausgedehnten Einzugsgebieten. Wer diese Flußmündung kontrolliert, beherrscht einen großen Teil des westlichen Bhutan.

Ohne besondere Vorkommnisse, aber nach einer Fahrt, die fast den ganzen Tag in Anspruch nahm, erreichten wir Thimphu, die Hauptstadt des modernen Bhutan, viel größer als Paro oder sonst irgendeine Stadt des Landes.

Der letzte Tag unserer Tour war dem „Sight seeing“ in Thimphu gewidmet.



Buddhistische Stupa in Thimphu


Hier finden sich neben Betenden ...


... natürlich auch Andenkenverkäufer



Die Regierung Bhutans macht große Anstrengungen, sicherzustellen, daß auch moderne Gebäude in einem Baustil errichtet werden, der sich an der architektonischen Tradition des Landes orientiert. Dies gilt nicht nur für das Nationalmuseum, das ihr hier seht, sondern auch für private Gebäude.



Das Nationalmuseum in Thimphu


Mit diesem Tag, den wir entspannt durch die Stadt bummelnd verbrachten, klang unsere Tour also aus.



Dieser Buddha, dargestellt auf einer Holzschatulle im Nationalmuseum,
winkt uns freundlich „Auf Wiedersehen in Bhutan!“



Am Abend fuhren wir noch weiter nach Paro, denn von dort traten wir am kommenden Morgen unsere Rückflüge an: Bettina und Michael über Katmandu nach Frankfurt bzw. London, und ich selbst über Bangkok nach Saigon.

Im Rückblick waren wir uns natürlich alle einig, daß es eine unglaublich tolle Tour durch eine spektakuläre, atemberaubende Landschaft gewesen war. Allerdings war es eben auch „nur“ ein Trek gewesen, also eine Wanderung ohne jede technische Herausforderung; hätte sie uns nicht in so große Höhen geführt, wäre es ein Weg wie im deutschen Mittelgebirge gewesen, ohne die kleinste Kletterstelle oder andere „Würze“ dieser Art. Man hätte sie meistenteils auch mit normalen Sportschuhen machen können.

Bemerkenswert war darüber hinaus, daß wir mit solch einem großen Troß unterwegs waren. Für uns drei Gäste war ein Dutzend Maultiere organisiert worden; sie trugen eine umfangreiche Campingausrüstung, Küchenausstattung, reichlich Essen einschließlich solcher Dinge wie Ananas in Dosen. Dies ist vielleicht nicht jedermanns Geschmack (meiner z. B. nicht unbedingt), aber so ist es eben. Mein nächster Trek wird vielleicht ganz anders, mal sehen ...

Einstweilen: Tschüs!

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