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Grand Karakorum Traverse
Grand Karakorum Traverse
Concordia Trek - Sim La - Snowlake - Hispar La
Geschrieben von Bergzebra
10.08.2017
Standard Grand Karakorum Traverse

Die "Grand Karakorum Traverse" ist bei vielen Trekkingagenturen in Pakistan eine Kombination aus dem weltbekannten Concordiatrek auf dem Baltoro-Gletscher zu den Achtausendern K2, Broad Peak und Gasherbrum I und II (G1 und G2) und dem Biafo-Snowlake-Hispar-Gletscher Trek.

Angeboten werden diese Touren üblicherweise mit 27 bis 31 Tagen. Dabei wird der Concordiatrek hier gerne in umgekehrter Reihenfolge durchlaufen. Hier entsteht aber bereits zum Anfang der Tour das Problem, dass nach wenigen Tagen der sehr wetterabhängige und fast 5700m hohe Gondogoro La Pass überquert werden muss. Klappt dies nicht, dann ist der restliche Zeitplan der Tour obsolet.

Nur wenige einheimische Anbieter bieten diese Tour mit einer Aneinanderreihung beider Touren im normalen Ablauf an. Da in 2016 die Querung des über 5100m hohen Hispar La wegen Gletscherspalten nicht möglich war, wollen wir nicht über den Biafo Gletscher zum Snowlake, sondern über den sehr selten begangenen Sim La Pass, direkt an Latok und Ogre vorbei. Sollte in 2017 der Hispar La immer noch nicht passierbar sein, so würden wir über den Biafo Gletscher wieder zurück nach Askole wandern.

Für die Tour sind 42 Tage in Pakistan veranschlagt, wenn man schon einmal in über 20 Jahren Berufsleben 6 Wochen Urlaub am Stück erhält. Gebucht wurde die Tour bei einem renommierten pakistanischen Anbieter im pakistanischen Skardu.


K2 (8611m) und Broad Peak (8051m) vom Broad Peak Base Camp aus

Der geplante Reiseablauf:

Akklimatisation in den Deosai Plains - Askole - Concordiaplatz - K2 BC - Broad Peak BC - Pastore Peak BC mit Aufstieg auf den Pastore Peak - Gasherbrum BC - Gondogoro La - Hushe - Skardu - Askole - Panmah Gletscher - Latok BC - Sim La - Snowlake - Hispar La - Karimabad

Nur die Reise wird ungeplant ein vorzeitiges Ende nehmen. Aus gesundheitlichen Gründen habe ich die Reise vorzeitig abbrechen müssen. Wobei "müssen" eher unter dem Gesichtspunkt "primär überlebensnotwendig" zu sehen ist. Dazu mehr weiter unten im Bericht.

Nun zum eigentlichen Reisebericht:

Ich möchte hier v.a. die Bilder für sich sprechen lassen.

Die Anreise erfolgt mit Turkish Airlines über Istanbul nach Islamabad. Die Einreise ist in wenigen Minuten erledigt, das Trekkingpermit hatte vorher 6 Wochen gedauert. Da die Tour 2x in ein Sperrgebiet geht, war anders als sonst in Pakistan üblich, vor dem Visum bereits das Trekkingpermit notwendig. Das Visum (für 60 Tage) gab es bei Selbstabgabe- und -abholung im Generalkonsulat in Frankfurt binnen weniger Stunden. Binnen Stundenfrist machen wir zusammen mit dem Agenturchef Kamal Frühstück im Flughafenrestaurant, da die Hotelzimmer früh um 4 Uhr noch nicht bezugsfertig sind.

Am Folgetag erfolgt der Flug von Islamabad nach Skardu mit einer ATR42 der PIA. Vom "Killermountain" (so die pakistanische Bezeichnung) Nanga Parbat gibt es leider nichts zu sehen, auch wenn die Flugroute unmittelbar vorbei führt, die Wolken sind zu viel. Mit dem Flug bleiben uns 2 Tage Busreise auf dem Karakorum-Highway erspart, wobei gesagt werden muss, dass die Flüge nach Skardu sehr oft ausfallen.

In Skardu haben wir mehre Tage Zeit, bis die eigentliche Tour startet. Da der Flug mit Turkish am 15.6 um fast 200€ billiger als am 17.6 ist (500 zu 700€), sind jetzt 2 Tage mehr im nicht zu heißen Skardu.

Eine Ganztagestour nützen wir mit anderen Trekkern für eine Jeeptour in die Deosai Plains, eine z.T. über 4000m hoch gelegene Hochebene nördlich von Skardu.


Deosai Plains


Deosai Plains


Deosai Plains


Satpara Lake

Einen weiteren Tag haben wir für die nähere Umgebung von Skardu eingeplant, z.B. dem Kharphocho Fort in Skardu (um festzustellen, dass wir seit 16 Monaten die ersten ausländischen Toursiten hier sind) oder dem Shangri La Resort.


Skardu und Indus


Shangri La Resort unweit von Skardu


Upper Kachura Lake

Nach einem Ruhetag in Skardu geht es am folgenden Tag zum Trekkingstart per Jeep nach Askole. 7h soll die Fahrt dauern, die letzten Stunden auf abenteurlicher Piste.

Für die erste Woche werden wir 6 Personen sein, ab dann nur noch zu zweit. Für uns 6 Personen braucht es an Begleitmannschaft:
- 22 Träger
- 6 Maultiere
- 1 Sirdar für die Träger
- 1 Guide für die Restgruppe und einen Guide für unsere Gruppe
- 1 Koch, 1 Hilfskoch, 1 Küchenhelfer
- 1 HAP (High-Altitude-Porter) für den Pastore Peak
- mehrere lebende Hühner
- Ziegenbock

Später als Zweipersonengruppe:
- 7 Träger
- 1 Guide
- 1 Koch
- 1 HAP (High-Altitude-Porter) für den Pastore Peak



Der Jeep der Begleitmannschaft


"Über diese Brücken musst Du fahren ..."

Am Nachmittag erreichen wir den letzten Ort Askole. Eine kleine Unachtsamkeit von mir heute bei der letzten Treppenstufe vor dem Zeltplatz in Askole wird der Reise fast drei Wochen später ein ungewolltes Ende bereiten. Die große Zeh am rechten Bein hat die Stufe einfach um 2cm niedriger aufgefasst und als Folge ist der Zehnagel jetzt beleidigt.


Die letzte Treppenstufe vor dem Trek (rot markiert) - einmal in der Höhe um 2cm verschätzt und das Übel nimmt seinen Lauf

Askole - Jhola 3200m ü.NN

Heute sind es fast 25km bei Temperaturen bis zu 40°C, vom Untergrund ist vom Wüstensand bis blankem Fels alles dabei.


Greg Mortensons Korphe ("Three cups of tee") von Askole aus gesehen


Träger und Guide bei einer Pause


Am Braldufluß

Jhola - Paiju 3400m ü.NN

Wieder keine Wolke am Himmel und Temperaturen bis in die 40er.


"Sicherheitsfoto" unweit dem Mittagslager Bardumal: Wer weiß, ob man den Broad Peak (8051m - "in der Mitte ganz hinten") später wieder ohne Wolken sieht


Unweit von Paiju

Ruhetag Paiju 3400m ü.NN




Paiju - Khorbutse 3800m ü.NN

Ab heute geht es auf den Baltoro-Gletscher. Die "bescheuerten" Wegververhältnisse der letzten Tage sind vorbei, ab heute wird es "richtig bescheuert". D.h. Gletschereis mit 5 -30cm Geröllauflage in unterschiedlichsten Ausführungen. Und auch wenn es vom Papier "wenig Höhe" ist, eben ist da nix.


Biaho Peaks und ab Bildmitte im Hintergrund v.l.n.r.: Nameless Tower (Trango Tower, 6251m), Great Trango (6286m) und Trango Castle (5753m)


Irgendwo ist hier der Weg nach Khorbutse


Fast 50 Maultiere an einer Wasserfurt beim Rückweg von einem Militärcamp auf dem Baltoro-Gletscher


Manchmal geht es nicht ohne nasse Füße - unweit des Lagers Khorbutse


Panorama am Khorbutse Camp. Uli Biaho Tower und Peak, Trango Towers, Cathedral, ...
Übrigens, die Flussquerung vom Bild vor dem vorgenannten ist im Bild links zu sehen.

Khorbutse - Urdukas 4000m ü.NN


Trango Towers und Dunge Glacier


Broad Peak (8051m) in den Wolken, rechts ist etwas vom Gasherbrum IV (7925m) zu sehen


Lager Urdukas

Urdukas -Gore II 4300m ü.NN


Masherbrum 7821m


Stuhl- und Tischträger einer anderen Gruppe


Masherbrum 7821m in Wolken, Biarchedi 6781m und "Eissegel" auf dem Gletscher


Gasherbrum IV (7925m) und direkt links dahinter die Spitze des Gasherbrum II (8034m)


Zubereitung des Mittagessen (Nudelsuppe, Nüsse, Streichkäse und Kräcker)


Gletscherspalten direkt neben dem Weg


Der Weg ist nirgendwo und überall


Lager Goro II, die roten "Abdeckplanen" sind das Nachtlager der Träger


Gasherbrum IV (7925m) im Abendlicht

Gore II - Concordia 4650m ü.NN


Mitre Peak 6010m, kaum zu glauben, dass es nur ein kleiner Sechstausender ist

Kaum im Concordiacamp angekommen, verschlechtert sich das Wetter und es beginnt der Schneefall.


Blick vom Concordia-Camp zum Baltoro Kangri (7275m) und der weißen Verbindungswand zur Chogolisa (7668m)


Küchenzelt im Concordia-Camp

Concordia - Broad Peak BC 4900m ü.NN

Ursprünglich sollte es heute bis zum K2 BC gehen und anschließend zurück zum Broad Peak BC. Die etwas unsichere Wetterlage hält uns davon ab, sodass es heute nur bis zum gut 3h entfernten Broad Peak BC geht. Wobei ein BC in Pakistan im wahrsten Sinne des Wortes ein sehr dehnbarer Begriff ist. "Unser Broad Peak BC" befindet sich fast 30min vom eigentlichen BC entfernt, da von unserem Platz der Godwin Austen Gletscher einfacher in Richtung Pastore Pea BC gequert werden kann.

Wir verlassen dabei den Baltoro Gletscher und befinden uns nun auf dem Godwin Austen Gletscher


Concordia Camp - doch etwas abseits vom eigentlichen Concordiaplatz gelegen, im Hintergrund der Mitre Peak


Blick vom Broad Peak BC in Richtung Concordiaplatz - rechts neben dem linken Zelt der Upper Baltoro Gletscher, in Bildmitte der Vigne Gletscher (Ali Camp und Gondogoro La) und ganz rechts hinter dem dunklen Bergausläufer das Concordia Camp und der Baltoro Gletscher

Broad Peak BC 4900m ü.NN

Wegen Neuschnee übernacht und nicht erkennbaren Wegen in den Morgenstunden beschließen wir einen Ruhetag einzulegen. Gegen Mittag bessert sich das Wetter deutlich.


Er versteckt sich (noch): K2 (8611m) vom Broad Peak Base Camp aus


Blick vom Broad Peak BC in Richtung Concordiaplatz - der Upper Baltoro Gletscher, in Bildmitte der Vigne Gletscher (Ali Camp und Gondogoro La) und ganz rechts hinter dem dunklen Bergausläufer das Concordia Camp und der Baltoro Gletscher


Broad Peak (8051m) vom Broad Peak Base Camp aus


K2 (8611m) vom Broad Peak Base Camp aus


Blick vom Broad Peak Base Camp zum Khalkhal-Gletscher und rechts dem Fuß des Pastore Peak

Broad Peak BC - Pastore Peak BC 5100m ü.NN

Geplant waren ursprünglich 4 Tage am Pastore Peak. Durch einen um einen Tag verlängerten Anmarsch, statt der Horroretappe Paiju-Urdukas sind wir Paiju-Khorbutse und dann Khorbutse-Urdukas gegangen und durch den Ruhetag am Broad Peak BC haben wir davon bereits 2 Tage verloren. Wobei "verloren" eigentlich falsch ist, da die Wetterbedingungen der letzten beiden Tagen keinen Aufstieg auf den 6137m hohen Pastore Peak erlaubt hätte.

Um zum pastore Peak BC zu gelangen, wobei wir uns hier die BC-Variante direkt am Ende der Gletscherzunge des Khalkhal-Gletschers herausgesucht haben, muss ein Gletscherfeld gequert werden.


Gletscherquerung


Pastore Peak BC


Blick vom Pastore Peak BC

Pastore Peak BC - Concordia Camp 4650m ü.NN

Da keine Wetterbesserung zu erwarten ist und meine Begleitung sich auch noch vor zwei Tagen eine Erkältung eingefangen hat, beschließen wir, dass es heute wieder zurück zum Concordia-Camp geht. Da wir wieder einen Sicherheitstag gewonnen haben, geht es erst Morgen in Richtung des Upper Baltoro Gletschers zum Gasherbrum BC.

Pastore Peak BC - Irgendwo zwischen Shaqring Camp und Gasherbrum BC 4900m ü.NN


Blick vom Upper Baltoro Gletscher zum Muztagh Tower (7273m) und Skil Brum (7410m)


Blick vom Upper Baltoro Gletscher zum Skil Brum (7410m)


Blick vom Upper Baltoro Gletscher zu irgendeinem aus der Gasherbrum Familie


Blick vom Upper Baltoro Gletscher zum Muztagh Tower (7273m)


Baltoro Kangri (7302m) Camp auf halben Weg zwischen Shagri Camp und Gasherbrum BC


Chogolisa (7668m, Bildmitte) Camp auf halben Weg zwischen Shagri Camp und Gasherbrum BC

Irgendwo zwischen Shaqring Camp und Gasherbrum BC - Shaqring Camp 4900m ü.NN

Die heutige Etappe ist kurz, da wir eine Querungsmöglichkeit gefunden haben vom Upper Baltoro Gletscher zum Vigne Gletscher. Es ist somit eine kurze direkt Verbindung zum Ali Camp, dem Basislager des Gondogoro La, möglich.


Unweit des Shanqring Camp, auf der Suche nach er Gletscherquerung zum Vigne Gletscher

Da ich heute Geburtstag habe, gibt es nach dem Abendessen noch eine Geburtstagstorte für alle. Das ich heute nacht noch mein "Geburtstagsgeschenk" mir einfange, davon merke ich jetzt noch nichts.

Geplant: Shaqring Camp - Ali Camp 5100m ü.NN
Ist: Shaqring Camp - Concordia 4650m ü.NN

Gestern Abend bin ich noch ohne Probleme nach der "Geburtstagsfeier" ins Zelt gekrabbelt, nur jetzt um 4 Uhr morgens ist die Welt eine komplett andere. Aufgewacht bin ich eigentlich nur mit einem starken Durstgefühl, auch 1l Wasser aus der Thermoskanne schaffen kaum Abhilfe. Nur irgendetwas stimmt mit meinem rechten Unterschenkel nicht mehr. Er lässt sich nur noch unter extremen Schmerzen bewegen und irgendwie kommt er mir deutlich dicker vor.

Es ist schon ein Kampf überhaupt das Bein aus dem Schlafsack herauszubekommen, als ich mir meinen rechten Unterschenkel im Licht der Taschenlampe anschaue der Schock: Der hat ja mehr Umfang als mein Oberschenkel (genau genommen hat er von 38cm auf 58cm Umfang zugenommen - in 5h ! - ohne Vorwarnung!) und ist knallrot. Jede Bewegung schmerzt fürchterlich. Was ist denn hier los? Ich tippe auf eine Wundinfektion, die an der Stelle eigentlich gar nicht sein dürfte. Das Grind der zugehörigen Wunde ist gestern abgefallen, hat sich da etwas infiziert.

Noch vor dem Frühstück verständige ich unseren Guide und es ist klar, dass der Weg zum Ali Camp für mich definitiv nicht möglich sein wird. Wir beschließen den Rückweg nach Concordia, da gibt es Satfon und eventuell Maultiere für den Personentransport. Hier im Shaqring Camp sind wir JWD (in den beiden letzten Tagen kein Perosnen unterwegs). Kann ich überhaupt auftreten? Eigentlich nein, der Schmerz ist bei jedem Schritt unerträglich und nicht mit irgendeinem anderen Schmerz zu vergleichen. Ich habe irgendwie das Gefühl, der Schmerz kommt aus der Mitte des Unterschenkels und geht nach außen.

Es sind 5-6km bis Concordia, dass wird ewig dauern, bis ich dort ankomme (es werden 7h werden). Jeder der mehr als 5000 Schritte mit einem Schmerz, der auch bei Männern die Tränen fließen lässt. Aber es ist die einzige Alternative, ein Rückentransport auf dem Gletscher ist zu gefährlich.

Das folgende Bild ist nichts für schwache Nerven und ist Tage später entstanden, die Auswirkung war aber heute schon zu 95% identisch.


Binnen 5h ohne (direkte) Vorwarnung von 0 auf 100.

Wie ich es auf eigenen Beinen bis nach Concordia geschafft habe, ist mir bis heute ein Rätsel.

Es dauert seine Zeit, bis ich verspätet Mittag machen kann. Durch Zufall ist bei einer anderen Gruppe auch ein Arzt dabei. Dieser schaut sich meinen Fuss an und tippt wie ich auf eine Wundinfektion und gibt mir ein Antibiotikum für 3 Tage. Trotz meiner mehrmaligen Nachfrage, sieht er die Notwendigkeit eines Helikopterflugs nicht, der Rücktransport per Maultier würde reichen. Ob er da sitzend oder liegend auf dem Maultier meinte? Da bereits der nächste Patient wartet (jemand kommt abgestützt auf einem Maultier vom Goro II Lager kommend in Concordia an), kann ich ihn nicht fragen, ob ich auch mein Antibiotikum verwenden darf, da seines nur 3 Tage reicht und es mindestens 5 Tage bis Skardu dauert!

Concordia - Urdukas

Von 6-17 Uhr auf dem Maultier sitzend geht es zunächst im Schneegestöber zurück. Der Bewegungsschmerz am rechten Bein ist immer noch unerträglich.

Wenn ich mich auf das rechte Bein stelle, dauert es zunächst 20 Sekunden bis das Gehirn es akzeptiert, dass man das rechte Bein auch für das Gleichgewicht nutzen könnte. Was ist denn hier los?

Und wenn es eine Wundinfektion ist, kommt dann irgendwann der rote Strich einer Sepsis / Blutvergiftung?

Heute tritt auch noch eine gelbe Flüssigkeit aus dem Unterschenkel aus, was ist hier los? Ich habe kein Fieber, kein Unwohlsein und am Bein ist die Kacke am Dampfen.

Urdukas - Bardumal

Heute von 6-19:30 Uhr im Sattel des Maultiers, ab 3 Uhr nachmittags ist mein Arsch so ziemlich im Arsch.

Keine Besserung zu Gestern. Wann kommt die Blutvergiftung?

Bardumal - Khorophon


Noch ohne Handschuhe für das Foto - 4 Tage mein Gefährte das Maultier

Geplant war eigentlich die 35km direkt bis Askole, aber Mittagstemperaturen ohne Wolken und Wind in den 40-ern (Celsius nicht Fahrenheit) machen dieses Ansinnen unmöglich, ohne die Gesundheit der Anderen zu gefährden. Wieder bis 18 Uhr im sattel.

Keine Besserung zu Gestern. Wann kommt die Blutvergiftung? Es kann doch eigentlich gar keine Wundinfektion mehr sein?

Wache ich morgen Früh überhaupt noch auf?

Khorophon - Askole

Heute sind es nur noch 3h bis Askole. Da aber alle Jeeps schon weg sind, geht es erst am nächsten Tag nach Skardu.

Nur was mache ich jetzt mit dem Antibiotikum, das erste ist alle und mein eigenes von einem anderen Typ. Vertrage ich es überhaupt? Wie muss ich es dosieren (ich entscheide mich wegen 500mg für 1-0-1, das erste war 1-1-1 bei 300mg).

Askole - Skardu

Mit dem Jeep geht es in nicht ganz 7h nach Skardu.

Meine Reisebegleitung wird ab hier noch den zweiten Teil der Reise machen.

Vor Beginn der Tour hatte ich im Hotel ein Gespräch mit einem pakistanischen UN-Mitarbeiter, der ursprünglich als Arzt gearbeitet hatte. Bei meiner Ankunft im Hotel befindet er sich zufälligerweise am Hoteleingang. Nachdem ich ihn mein Problem geschildert und das Bein gezeigt habe, ruft er umgehend bei seinem Doktorvater im Militärkrankenhaus von Skardu an. Keine 5 Minuten später erfolgt der Rückruf, ich solle umgehend ins Militärkrankenhaus kommen, auch wenn dieses für Ausländer absolut tabu sei.

Das Militärkrankenhaus befindet sich am anderen Ende von Skardu, es dauert mehr als 30min dorthin und nochmals 15min, bis wir bzw. ich auch das Eingangstor passieren dürfen.

Es erfolgt sofort eine Untersuchung des Beines und die Diagnose ist schnell klar, es ist eine schwere Cellulitis (hat nix mit Organgenhaut zu tun, das ist Cellulite), bei uns meist Phlegmone genannt (der Begriff Zellulitis wird oft verwechselt). Phlegmone wird oft mit einer Wundinfektion verwechselt, auch von geschulten medizinischen Personal in Deutschland.

Als mir der Chefarzt später erklärt, dass die Hautschichtenentzündung Phlegmone unbehandelt weiter durch die Muskeln wandern und diese zerstören kann und spätestens in 3 Tagen zur Sepsis führt, wird mir ganz anderes. Ich war gut 5 Tage mehr oder weniger unbehandelt unterwegs. Wenn die Phlegmone über das Knie wandert und Bereiche im Unterschenkel durch die Phlegmone zu lange unterversorgt sind, kann u.U. eine Amputation des Unterschenkels notwendig werden. Zum Glück sitze ich bei dieser Information bereits.

Sie wollen mich für eine Woche im Krankenhaus behalten. Wir einigen uns aber darauf, dass ich täglich ins Krankenhaus zur Behandlung komme und ansonsten im Hotel wohne. Zuvor müsse ich aber noch die erste Infusion mit Antibiotikum überstehen. Sie erklären mir, das dieses Antibiotikum eine zigfache Wirkung zu meinem bereits verwendeten Antibiotikum hat.

So geht es nun in den nächsten Tagen immer zur Infusion. Am zweiten Tag führen sie auch noch eine Doppler-Ultraschall-Untersuchung durch, um eine TVT (tiefe Venenthrombose) ausschließen zu können. Wir beschließen, dass sie mich "versandfertig für Deutschland" machen sollen, damit ich schnell nach Deutschland zurück kann.

Die medizinische Behandlung in Pakistan ist für mich zu 100% kostenlos. Zitat der Ärzte im Militärkrankenhaus: "Sie sind als Foreigner unser Gast, sie brauchen sich nicht um die Bezahlung kümmern!".

Nur für die nächsten Tage sind alle Flüge von Skardu nach Islamabad ausgebucht, 20h im Taxi nach Islamabad wäre im wahrsten Sinne des Wortes "lebensgefährlich" für mich.

Rückreise und Deutschland

Es dauert fast eine Woche, einen Flug nach Islamabad zu ergattern. Die Flugbuchung von Islamabad nach München dauert keine 10 Minuten.

In Deutschland angekommen beginnt am nächsten Tag die Ärzterallye bei Chirurgen und Venenarzt. Auch mittels eines Herz-Echos wird beim Kardiologen geprüft, ob die Herzklappen einen Schlag abbekommen haben.

Aktuell jetzt nach mehr als 5 Wochen seit dem ersten Auftreten befinde ich mich immer noch tagtäglich in ärztlicher Behandlung, die Entzündung ist aber deutlich eingedämmt und das Bein hat wieder Originaldurchmesser.

Und um zum Beginn des Reiseberichts zurückzukehren: Was war Schuld an der Phlegmone? Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein Eiterherd unter dem Zehennagel, den ich mir am ersten Tag angestoßen hatte.
Geschrieben von
regelmäßig dabei
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Ort: Mittelfranken
Beiträge: 97

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Alt 15.08.2017, 00:36   #1
wanderrentner
heute schon geschlenkert?
 
Benutzerbild von wanderrentner
 
Registriert seit: 31.03.2011
Ort: berlin
Beiträge: 972
Standard AW: Grand Karakorum Traverse

o mann. danke für den bericht & die fotos, jedenfalls die meisten-
und gutes auskurieren!

ich hatte das mal in der form einer wundrose am knie, sah aus wie kurz gegrilltes fleisch und fühlte sich auch so an, fieber, schmerz. mutmassliche ursache: durch kratziges gestrüpp gelaufen und anschliessend haustierkontakt. in europa. d.h. als weichei wurde ich zwei wochen flachgelegt, absolute beinruhe, antibiotika reichlich und desinfizierende umschläge. soll jahrelang plötzlich mal wiederkommen können meinte der doc. weiter weg also wichtig, ein (starkes) antibiotikum dabeizuhaben.
__________________
http://www.ilovelaufbursche.de/
wanderrentner ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 15.08.2017, 08:38   #2
Bergzebra
regelmäßig dabei
 
Registriert seit: 14.04.2014
Ort: Mittelfranken
Beiträge: 97
Standard AW: Grand Karakorum Traverse

Wundrose (Erysipel) und Phlegmone sind ja aus der "gleichen Familie", werden beide im englischen ja "Cellulitis" genannt. Die Wundrose hat nur einen bestimmten Keim, bei der Phlegmone gibt sich das "who-is-who" der Bakterienwelt die Hand. Wobei die Wundrose das knalligere Rot hat und örtlich weniger diffus ist, das Bild im Bericht täuscht da etwas (und die wirklich "harten" Fotos zeige ich hier im Forum besser nicht). Ein Hauptunterscheidungsmerkmal (auch für den Laien) zwischen beiden Erkrankungen ist, dass es bei der Phlegmone Eiterbildungen gibt.

Das mit dem "plötzlichen Wiederkommen" wurde mir auch schon prophezeit, deshalb jetzt auch noch nach sechs Wochen Tag für Tag 2x ein Antibiotikum.
Bergzebra ist offline   Mit Zitat antworten
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