Oregons südliche Küste
Florence, Oregon – Jessie Honeyman
Mit gepacktem Rad geht es durch die Straßen hinauf zur Brücke über den Siuslaw River. Von dort habe ich einen ersten kurzen Blick auf die Oregon Dunes. Direkt hinter der Brücke liegt Glenada und nur faule 5km später halte ich in der hiker-biker-site des Jessie M. Honeyman State Parks für meine erste Zeltnacht.
Hiker-biker-sites sind einfach klasse! Für nur 3-5 US$ kann man dort zelten, manchmal ist sogar die heiße Dusche inklusive. Meist sind die Areale ein bißchen von den anderen Plätzen entfernt und man teilt sich den Platz mit anderen was eine gute Basis für den Beginn einer Unterhaltung ist.
Den Nachmittag verbringe ich mit einem langen Spaziergang durch die Dünen. Barfuß laufend ist es ein langer Weg bis zum Pazifik, so wandere ich nur umher. Außer wenn die wirklich nervigen Allradbuggies unterwegs sind kann man von hier die Brandung hören.
Für die heutige kurze Distanz fällt das Abendessen bei weitem zu umfangreich aus und zwingt mich zu einem langen Spaziergang durch den Zeltplatz. Glücklicherweise bleibe ich beim Vortrag des Rangers über die Fledermäuse des Nordwestens hängen. Interessant und lustig!
Jessie Honeyman – Sunset Bay
Der blaue Himmel am Morgen verspricht einen tollen Tag! Die Straße verläuft heute, bedingt durch die Dünen, etwas entfernt von der Küste aber immer wieder erhascht man einen Blick auf die goldenen Dünen und tief blauen Seen dazwischen. Vom Oregon Dunes Aussichtspunkt hat man einen tollen Blick über das Gebiet!
Um die Winchester Bay herum komme ich gegen Mittag nach Reedsport. Durch den Ort Winchester Bay hindurch geht es zum Umpqua Leuchtturm und begleitet von Feuchtgebieten umfahre ich Coos Bay. Schon aus der Ferne sieht man die große Brücke. Sie schaut groß aus und ist groß! Radfahrer werden gebeten ihre Räder zu schieben. Nach etwa einem Drittel kann ich verstehen warum: Obwohl der Wind heute nicht allzu kräftig bläst wird mein Rad den Gehweg hinauf geschoben. Auf der anderen Seite wieder hinunter muß ich die ganze Zeit bremsen um mit meinem Rad mitzuhalten. Hoffentlich bleibt der Wind so!
Von Charleston fahre ich noch das letzte Stück zum Sunset Bay State Park. Ausgestreckt auf einem Baumstamm liegend genieße ich den Sonnenuntergang.
Sunset Bay – Bullards Beach
Bist du jemals von schmerzenden Muskeln aufgewacht? Nun, nach dem gestrigen langen Tag weiß ich wie sich das anfühlt.
Kurztrip zum Simpson Reef um die Seelöwen, Seeelefanten und Vögel zu sehen und zu hören. Abstecher zum Cape Arago, dem westlichsten Punkt Oregons.
Mittags packe ich meine Sachen und fahre zurück nach Charleston. Hier beginnt eine dem Bergrücken folgende Nebenroute über die Seven Devils Road. Sie ist nach den sieben Hügeln benannt über die sie führt, netterweise allesamt durchnummeriert.
Belohnt wird man für seine Anstrengungen mit dem Blick über das Land und hinunter zur Küste. Eine lange, kurvenreiche Straße führt zurück auf den Highway 101. Ich bin mir sicher: Nicht ein Radfahrer hält sich bei dieser Abfahrt an die Geschwindigkeitsbeschränkung...
Ich baue mein Zelt im Bullards Beach State Park auf und verbringe den Nachmittag in Bandon.
Später kommen noch andere Radfahrer auf den Zeltplatz und ich treffe Jenna und Mike, ein frisch getrautes Paar auf einjähriger Hochzeitsreise mit dem Rad nach Südamerika und Gary, kürzlich berentet, auf seiner West Coast Freedom Tour.
Wir vier genießen den Abend bevor jeder in seinem Zelt in den Schlafsack fällt.
Bullards Beach – Humbug Mountain
Die heutige Strecke führt Inlands durch kleine Orte, Wälder und Felder. Dankbarerweise sind die Berge hier relativ niedrig aber der Gegenwind ist fast den ganzen Tag unterwegs.
Die hiker-biker-sites in Humbug Mountain sollen nicht schön und voller Viecher sind. Ich erwähnte dies gestern abend und schlug vor uns dort zu treffen und einen regulären Zeltplatz zu teilen. Alle waren einverstanden.
Ich komme als zweite dort an, ahne dass Gary vor mir ist. Er liegt, Jerky kauend, in der Wiese und wartet auf mich. Wir wissen daß Jenna und Mike weit hinter uns sind und suchen gemeinsam einen Platz aus.
Kurz nachdem wir unsere Zelte aufgeschlagen haben kommen noch zwei Radler in den Park. Ich biete ihnen an auch auf unserem Platz zu zelten. Sie sind Gerald und Manuel, ein Vater-Sohn-Team aus der Schweiz, unterwegs von Seattle nach San Diego. Und als wir es uns gerade gemütlich machen kommen Jenna und Mike auf den Platz gerollt. Wir sind eine richtig internationale Crew hier. Nette Leute.
Ich überlege mir morgen einen Pausentag bei Brookings einzulegen. Es soll dort einen besonders schönen Strand geben – Harris Beach.
Und danach geht es nach Kalifornien.
Erst dachte ich daß es heute wohl keine Strandbilder geben würde da nahe Port Orford der Nebel alles verhüllte. Aber er schwebte nur vom Meer an die Küste und wieder hinaus was einen netten Effekt hatte.
Humbug Mountain - Harris Beach
Als es gestern dunkel wurde drückte eine dicke Nebelwand vom Meer herein und bald begann es zu nieseln. Alle verschwanden früh im Zelt. Es regnete kräftig bis etwa 3 Uhr morgens.
Wieder zurück auf der Straße wird alles besser. Die Wolkendecke bricht auf und der wundervolle Sonnenschein kommt durch.
Zusammen mit Jenna und Mike verlasse ich Humbug Mountain. Gary wird uns folgen sobald er seinen Kaffee bekommen hat.

Der restliche Tag wird besser und besser. Nach und nach verschwinden alle Wolken, der Nebel verzieht sich und der wunderbare Rückenwind kommt mit voller Kraft zurück. Der Tag vergeht mit atemberaubenden Aussichten auf die Küste und dem weitschweifenden Blick auf den Ozean.
Mir geht es bestens auf dem Rad aber ich werde morgen trotzdem einen Pausentag einlegen. Und der Rest hat die gleiche Idee. Mit diesem Plan im Kopf füllen wir unsere Taschen mit Getränk, Chips, Salsa, Burrito-Material und Kuchen.
Eins der besten Dinge beim Radfahren ist die ganze Esserei. Das Prinzip Essen als Kraftstoff bekräftigt sich sobald man zu wenig ißt und Kraft verliert. Essen wird so schnell zu einem Höhepunkt des Tages.
Harris Beach
Das Abendessen gestern war SAGENHAFT!! Burritos mit Bohnen, Käse, Grünzeug, Tomaten, Salsa und Sauercreme. Wir sahen für zufällig vorbeikommende Camper sicherlich aus wie eine Gruppe Zigeuner die seit Wochen kein Essen mehr gesehen hatten. Kaum war alles gerichtet verstummte die Unterhaltung und wurde durch kauende und schluckende Geräusche, dem vereinzelten Luft holen und wiederholten „Mmmhhh“ und „Aahhhhs“ ersetzt. Die einzigen darauf folgende Antworten waren weitere „Mmmhs“ und „Aahhs“.
Ein weiteres Higlight dieses Zeltplatzes ist der Waschsalon! Danach geht es hinunter zum Strandbummel.
Ein weiterer sonniger Tag und alle genießen ihn um zu entspannen.
Wir kaufen erneut für ein kleines Festessen ein – gegrillte Käsesandwiches! Und natürlich Kuchen.
Und morgen geht es hinein nach Kalifornien!!
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