Da es wie schon geschrieben, meine erste Tour überhaupt war, hatte ich jegliche Verantwortung für die Navigation in die Hände meines Kumpels Sven und seiner Freundin übergeben. Die kennen sich mit Kartenmaterial aus und hatten uns auch schnell auf dem richtigen Weg.
Für mich war dieser erste Anstieg schon ziemlich heftig, und das noch bei Sonnenschein und ca. 20°C.
Kurze Verschnaufpausen legte ich auf den nächsten 200 HM öfters mal ein. Kurz stehen bleiben, paarmal tief Luft holen, einen Schluck trinken und wieder weiter...
Meine mangelnde Fitness wurde mir brutal vor Augen geführt - jedes Mal, wenn ich an mir runter auf das innerhalb kürzester Zeit verschwitzte T-Shirt sah.
Nach etwa 45-50 Minuten hatte ich etwas gefunden, dass ich dann auch stolz "mein Tempo" nannte. Zwar nicht übermässig schnell, aber dafür konstant und mit sicherem Tritt auf den teilweise etwas feuchten Wurzeln, die sich durch die ansonsten gut vom DAV angelegten Pfade zogen. Ich war wirklich beeindruckt, über diese schmalen Wege zu schreiten. Da müssen sich viele Leute mit vielen Gerätschaften mal richtig Mühe gegeben haben. Und das war ja bloss einer von etlichen Wegen, die für Wanderer derart präpariert worden sind. Einfach toll !
Gegen 13:30 Uhr haben wir uns auf ca. 1700m ein schönes Plätzchen für das Mittagessen gesucht. Wir hatten viel zu viel dabei, aber ich war dankbar für jeden sättigenden Bissen. Der Aufstieg und der Weg über die Schotterpfade hatten mich richtig hungrig gemacht. Selbstgemachter Nudelsalat, Brezn und Kaminwurzn waren sehr willkommen. Danach hatte ich auch wieder die Kraft, auf den Auslöser meiner kleinen Digi-Cam zu drücken:

Von der Stelle aus war es dann auch nicht mehr sehr weit bis zur angestrebten Lamsenjochhütte:
http://de.wikipedia.org/wiki/Lamsenjochh%C3%BCtte
Diese befindet sich auf 1953m Höhe. Also hatte ich an diesem Tag schon fast 726 Höhenmeter geschafft und war sehr stolz auf mich selbst.
Etwa 15 Uhr war es, als sich uns dieser Anblick auf dem linken Bild bot. Mitten im Bild kann man die Hütte erkennen, winzig vor dieser Bergkette.
Dort angekommen meldeten wir uns artig beim Wirt an. Dieser schien entweder etwas gestresst oder einfach nur so schlecht gelaunt zu sein. Das Rollen mit den Augen, bloss weil wir uns mit Vor- und Nachnamen vorstellten und der scharfe Hinweis "Nur Vorname g´nügt", liessen mich schon nach 5 Minuten in diesem Betrieb zweifeln, ob ich hier nächtigen wollte. Mangels Alternative blieb aber sowieso keine andere Wahl. Ganz frech habe ich mich dann noch nach den Essenszeiten, Nachtruhe, Licht aus und Trockenraum erkundigt, obwohl für alles ein Schild am Empfang hängt. Eigentlich war der Wirt vollkommen überflüssig und vielleicht war er auch deswegen derartig in Stimmung...

Wir haben dann noch schnell Bescheid gesagt, dass wir noch zur Lamsenspitze wollten vor dem Abendessen. Rucksäcke also wieder geschultert und raus Richtung Ostwand:
Auf der Wiki-Seite sieht man oben rechts das Bild der Hütte und im Hintergrund die Ostwand mit dem darunter liegenden Geröllfeld. Also ging es erstmal wieder ein Stückchen bergauf, aber das schreckte mich nicht mehr ab, da die Wege immer noch hervorragend waren. Allerdings zog sich der Himmel dann so gegen 17 Uhr langsam zu mit grauen Wolken und Nebel. Bis an die Wand sind wir gekommen, aber der relativ kurze Abschnitt über das Geröllfeld hatte meine Knie ganz schön weich gemacht, denn rechts war zwar die Felswand, linker Hand ging es aber sehr lange durch Geröll. Zwar nicht sehr steil, aber ich konnte nicht einschätzen, ob ich mich würde halten können, wenn ich da reinrutschen würde. Oberhalb vom Geröll haben wir eine Pause gemacht und ich musste mir einfach eingestehen, dass ich nicht weiter konnte, vor allem wurde es auch immer dunkler und wir mussten ja auch zurück nochmal durch diese fiese, rutschige Schotterpiste. Somit hatte mein Kumpel Sven ein einsehen, dass wir besser zurück gehen. Seine Freundin war erst gar nicht so weit mitgegangen. Von da oben und auf dem Weg zurück haben wir aber noch ein paar Bilder gemacht:
19 Uhr war es wohl, da sassen wir (oder vielmehr ich) ein wenig enttäuscht, andererseits auch sehr stolz über das bisher geleistete in der Stube der Lamsenjochhütte, hatten ein Radler in der Faust und unterhielten uns über den Tag. Es war schön, nochmal alles Revue passieren zu lassen. Obwohl eigentlich nicht viel passiert war, hatte ich ein irgendwie entrücktes und schläfriges Gefühl, so als ob ich gar nicht mehr ganz da wäre. Vermutlich hatten mich die Eindrücke und Aussichten derart überfordert, dass nun in der warmen Stube alles plötzlich auf mich einstürzte. Da war mir auch der Preis von 30 Euro herzlich egal, den mein Abendessen, bestehend aus Gulasch (leider nicht aus den Gämsen gemacht, die wir auf dem Weg zur Lamsenspitze sahen), 1 Knödel, 1 Schlag Rotkohl und ein paar Radlern, kostete. Ich wollte einfach nur noch ins Bett. Nur sass an unserem Tisch noch ein älteres Ehepaar, welches uns mit ihren Erlebnissen unterhielt. Von uns dreien sagte so gut wie niemand etwas und so fühlten sich die beiden wohl bestätigt, einen Schwank nach dem anderen zu erzählen. Irgendwann wurde es mir aber doch zu spät, habe mich entschuldigt und bin rauf zum Matratzenlager getorkelt. Schlaaaafen ....
Denkste ! Sollte ja meine erste Übernachtung in einem Matratzenlager sein und ich wusste halt nicht, was mich erwarten würde. Etwas verdattert sah ich dann die Betten und Schlafplätze - kaum mehr als 60cm Platz pro Person und auch keine freien Plätze mehr an den Aussenwänden

Also lag auf der einen Seite Sven und auf der anderen ein etwa gleichaltriger in Begleitung von zwei jungen Damen. Mit denen hatte ich mich dann auch noch etwas unterhalten und erfuhr, dass die schon seit 2 Tagen im Karwendel unterwegs waren und morgen den Abstieg angehen würden. Ich erhielt dann auch noch die Info, dass ich heiss duschen könnte, wenn ich Bereit sei, für 3 Minuten 3 Euro zu zahlen. Bereit war ich, aber aufgrund der Info, dass es kein heisses Wasser gäbe, hatte ich weder Handtuch noch Duschgel dabei und somit fiel die Wäsche sehr spartanisch aus mit kaltem Wasser und Seife (Katzenwäsche halt). Wieder zurück im Schlafsaal waren auch schon fast alle Plätze belegt, in 20 Minuten würde das Licht ausgehen.
Es sollte eine laaaaange Nacht werden !